Drowning The Light – Current 1366

Drowning The Light - Current 1366
Drowning The Light – Current 1366

Azgorh hat über die Jahre mit einer Diskografie, die sogar sehr fleißige Künstler des Genres blass aussehen lässt, zu einer der beständigsten Stimmen des australischen Underground-Black-Metals gezählt. Current 1366 fügt sich in dieses hingebungsvolle Schaffen ein und zeigt eine Seite des Projekts, die zwischen roher Direktheit und fast schon besinnlicher Tiefe liegt.

Von den ersten Tönen an zeigt sich, dass kein Interesse an Vermittlung besteht. Die Aufnahme bewegt sich in dem Bereich, der atmosphärischen Black Metal so spannend macht – sie klingt rau und unfertig genug, um die Kälte sowie Echtheit zu behalten, die das Genre auszeichnen, doch sie klingt niemals so undurchdringlich, dass die Schönheit der Stücke verloren ginge. Die Gitarren legen sich wie Nebel übereinander, das Schlagzeug betont mit antreibender Gleichmäßigkeit den rituellen Charakter der Musik. Diese hypnotische Qualität unterscheidet Drowning The Light von vielen Kollegen – die Fähigkeit, den Zuhörer in einen Zustand zwischen Trance und trauriger Versunkenheit zu versetzen.

Thematisch bewegt sich Current 1366 auf bekanntem Boden. Die vampirische Ästhetik, die das Projekt immer durchzieht, zeigt sich nicht offen, sondern als unterschwellige Bewegung, die jede Note durchdringt. Der Titel selbst meint einen zeitlosen Fluss, eine Strömung der Dunkelheit, die durch die Jahrhunderte strömt und dabei stärker wird, anstatt zu versiegen. Diese Tiefe im Konzept spiegelt die Musik wider, die nie hektisch wirkt, sondern sich mit der Geduld eines Wesens entfaltet, das die Ewigkeit vor sich hat.

Die einzelnen Stücke verschmelzen zu einem zusammenhängenden Hörerlebnis, eine Stärke und vielleicht eine Schwäche des Albums. Wer nach sofortiger Abwechslung sucht, nach klar getrennten Liedern mit eigener Identität, findet hier vielleicht nicht, was er sucht. Aber wer sich auf die Reise einlässt, das Album komplett hört und in seiner Stimmung versinkt, wird reich belohnt. Die Melodien, die sich durch die schnellen Tremolo-Gitarren winden, haben die eigene Schönheit, die nur im Black Metal zu finden ist – eine Schönheit, die Schmerz aber auch Sehnsucht vereint.

Azgorhs Gesang passt sich natürlich in den Klang ein. Das typische Kreischen außerdem Klagen wirkt nie aufgesetzt, sondern wie ein direkter Ausdruck der musikalischen Gefühle. Manchmal tritt die Stimme zurück und dient selbst als Instrument, das in die gesamte Struktur eingebettet wird, während sie an anderen Stellen mit starker Präsenz hervortritt und den Zuhörer unmittelbar erreicht.

Current 1366 spricht nicht jeden an – es beansprucht das auch nicht. Es ist ein Werk für jene, die die Nacht nicht fürchten, sondern in ihr Schutz suchen, für jene, die im scheinbar Abstoßenden eine eigene Art von Ästhetik erkennen. In einer Zeit, in der Trends und geschäftliche Überlegungen sogar den Black Metal beeinflussen, bleibt Drowning The Light ein Bollwerk der Unnachgiebigkeit. Dieses Album beweist erneut, dass wahre Dunkelheit keine Moden kennt und dass die Strömung, die Azgorh seit Jahren lenkt, noch lange nicht versiegt ist.