
Wer bei dem Titel Berserker an epische, orchestrale Schlachtensounds denkt, wird von Runeneck eines Besseren belehrt – und zwar mit dem Synthesizer direkt ins Gesicht. Das Album, veröffentlicht via Strength and Anger, ist ein Paradebeispiel für die dreckigste Ecke des aktuellen Keller-Synth-Revivals.
Das erste, was beim Hören auffällt, ist die absolut kompromisslose Produktion. Hier wird nichts poliert. Die Drum-Machine klingt scheppernd, trocken und peitscht den Track mit einem fast schon tanzbaren, punkigen Rhythmus voran. Es ist dieser primitive „Umpf-Tschak“-Beat, der einen sofort nickende Bewegungen machen lässt, während die Synth-Melodien darüber liegen wie ein rostiger Nebel.
Die Synthesizer selbst spielen Melodien, die tief im Neo-Folk verwurzelt sind, aber durch so viel Verzerrung und Lo-Fi-Dreck gezogen wurden, dass sie eher nach einer 8-Bit-Konsole klingen, die gerade in einem feuchten Kerker den Geist aufgibt.
Anders als bei rein instrumentalen Dungeon-Synth-Projekten, setzt Runeneck auf Vocals – und die haben es in sich. Es ist ein verzerrtes, heiseres Gekeife, das klandestin im Mix vergraben liegt. Es klingt weniger nach Gesang, sondern eher wie das Echo eines Goblins oder eines wahnsinnigen Kriegers, der in einer Höhle vor sich hin flucht. Das verleiht dem Ganzen eine Black-Metal-Atmosphäre, ohne dass dafür Gitarren nötig wären.
Das Überraschende an Berserker ist die Energie. Das ist keine Musik zum Einschlafen oder für Pen & Paper Runden. Das ist Musik, die nach vorne geht. Der Opener hat eine seltsam eingängige „Ohrwurm-Qualität“. Es ist eine bizarre Mischung: Einerseits düster und bedrohlich, andererseits fast schon „partytauglich“ für Leute, die am liebsten Nordhäuser-Doppelkorn pur trinken. Es erinnert an die rohe Energie früher Grausamkeit (B.S.o.D.) Aufnahmen, aber rein elektronisch umgesetzt.
Berserker ist ein kurzes, heftiges Statement. Runeneck beweist, dass man keine teure Ausrüstung braucht, um Atmosphäre zu erzeugen. Es ist minimal, es ist roh und es macht auf eine perverse Art und Weise unglaublich viel Spaß.
Das ist der Soundtrack für den Moment, wenn der Barbarienkrieger seine Axt gegen ein billiges Keyboard tauscht, aber die Wut behält. Ein Muss für Fans von Old Tower, Vothana (die Demos) und der ganzen „Raw Synth“-Bewegung.