
Wenn man über die beständigsten und kompromisslosesten Projekte des finnischen Black Metal spricht, fällt unweigerlich der Name Clandestine Blaze. Mikko Aspas Ein-Mann-Projekt steht seit jeher für eine rohe, aber intellektuell durchdachte Form der Dunkelheit. Mit Consecration of the Blood lieferte das Projekt im Jahr 2015 ein Werk ab, das nicht nur die Diskografie konsequent fortführte, sondern sie in puncto Songwriting und Atmosphäre perfektionierte.
Was beim ersten Hören von Consecration of the Blood sofort auffällt, ist die Produktion. Im Gegensatz zu den chaotischen, fast schon lärmenden Anfangstagen des Projekts, findet sich hier ein Sound, der zwar „Raw Black Metal“ schreit, aber dennoch überraschend differenziert ist. Die Gitarren sägen mit einer trockenen, fast schon physisch spürbaren Kälte, während das Schlagzeug organisch und druckvoll im Raum steht. Es ist Lo-Fi, ja, aber ein gewähltes Lo-Fi – ein ästhetisches Mittel zum Zweck, nicht Kaschierung von Unvermögen.
Musikalisch bewegt sich das Album weg von reiner Geschwindigkeit und hin zu einer fast schon tranceartigen Bösartigkeit. Die Riffs sind oft dissonant und repetitiv, was eine hypnotische Sogwirkung erzeugt (besonders stark im Titeltrack). Clandestine Blaze beherrscht hier die Kunst des „Weniger ist mehr“. Anstatt den Hörer mit technischer Finesse zu blenden, setzt Aspa auf archaische Strukturen, die sich wie ein rostiger Nagel ins Gedächtnis bohren.
Es gibt Momente schleppenden Mid-Tempos, die an die großen Vorbilder der zweiten Welle (wie Darkthrone) erinnern, aber immer mit dieser spezifisch finnischen Melancholie und Melodik durchzogen sind, die so typisch für den „Finnish Sound“ ist. Doch diese Melodik ist nie schön; sie ist bedrohlich, unheilvoll und zutiefst misanthropisch.
Aspas Vocals auf diesem Album sind ein Highlight für sich. Kein hohes Kreischen, sondern ein tiefes, grollendes Bellen und Würgen, das vollkommen verständlich, aber absolut unmenschlich wirkt. Die Vocals liegen nicht auf der Musik, sie scheinen aus ihr herauszubrechen. Textlich bewegt sich das Album auf bekanntem Terrain – blasphemische Rituale, spiritueller Verfall und die Ablehnung des Lichts –, doch durch die überzeugende Darbietung wirkt dies nie klischeehaft, sondern fanatisch ernst.
Consecration of the Blood ist kein Album für den Hintergrund. Es ist ein forderndes Werk, das eine dichte, fast schon erstickende Atmosphäre aufbaut. Es zeigt Clandestine Blaze auf dem Höhepunkt des kreativen Schaffens: Die wilde Energie der frühen Tage wurde in eine präzise, tödliche Waffe kanalisiert.
Für Anhänger des traditionellen Black Metal, die Atmosphäre über Hochglanzproduktion stellen und die dissonante Kälte des finnischen Stahls zu schätzen wissen, ist dieses Album ein unverzichtbares Meisterwerk. Es ist hässlich, es ist roh, und gerade deshalb ist es wunderschön.