Heltekvad – Morgenrødens Helvedesherre

14. März 2022
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Es ist heutzutage nicht immer leicht aus der unübersichtlichen Masse an Bands herauszustechen, muss selbst mit qualitativ überdurchschnittlichem Material erst einmal der Weg zum potentiellen Hörer gefunden werden. Um besser auf sich aufmerksam zu machen, legen sich viele Formationen daher ein möglichst ausgefallenes Image zu, mit dem die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gezogen werden soll. Dies funktioniert mal mehr und mal weniger gut. Im konkreten Fall von HELTEKVAD aus Dänemark konnte die selbst gewählte Genrebezeichnung des Medieval Black Metals samt passender Visualisierung des Artworks und des Schriftzuges für reichlich Aufsehen sorgen, obwohl die ästhetische Verpackung im Grunde deutlich mehr verspricht, als „MORGENRØDENS HELVESHERRE“ als erstes Werk tatsächlich liefert.

Dies soll nicht bedeuten, dass sich auf dem Rundling minderwertiges Material finden lässt, ganz und gar nicht. Denn hinter HELTEKVAD stehen mit Ole Pedersen Luk und seinen zwei Mitstreitern von AFSKY durchaus namhafte Protagonisten, die bereits seit einigen Jahren in der Szene aktiv sind und somit einige musikalische Erfahrung in die relativ neu gegründete Kapelle einfließen lassen können. Dies ist den sieben Tracks deutlich anzuhören, denn trotz stellenweise eher sperriger Arrangements, halten diese ein durchdachtes Songwriting mit anspruchsvoller Dynamik bereit. Vornehmlich rohen Black Metal mit deutlichen Anleihen an die frühen 90er Jahre zelebrierend, verpassen es die Skandinavier dennoch nicht, ihren Songs eine gewisse Epik einzuverleiben, die in erster Linie mit verspielten Leads erzeugt wird, die etwa in „Ved sværdets klinge skal du forgå“ mal mit getragener Erhabenheit und mal mit klirrender Raserei vorgetragen werden. In letzterer scheint sich das Trio am wohlsten zu fühlen, sind scheinbar chaotische Riffs und wüste Blasts die vorherrschenden Elemente der Platte, wenngleich HELTEKVAD mehrere Male beweisen, dass sie auch anders können. Jedoch passt dieses ungestüme Poltern eben auch perfekt zu den irrwitzigen Vocals von Ole Pedersen Luk, der die Lyrik mit solcher Inbrunst herausschreit, dass der Gesang zum markantesten Aspekt von „MORGENRØDENS HELVESHERRE“ wird. Nicht selten erinnern die entfesselten Schreie an bekannte Vertreter aus dem Depressive / Suicidal Black Metal.

Es mag aufgefallen sein, dass bislang noch mit keinem Wort auf den mittelalterlichen Rahmen des Rundlings eingegangen wurde. Dies lässt sich kurz und knapp damit begründen, dass dieser, abgesehen von den vollständig auf dänisch verfassten Texten, fast nicht vorhanden ist. Ja, es ertönen zu Beginn von „Ærbødig er den so m sejrer“ kurz Schalmeien und „Du skæbnesvangre stund“ wird sehr theatralisch von wuchtigen Hornbläsern eingeleitet, doch viel mehr hat „MORGENRØDENS HELVESHERRE“ neben ein paar kurzen Sampeln mit Schwerterrasseln in dieser Hinsicht nicht wirklich zu bieten. Es wird gar nicht versucht, diese alten Instrumente mitten in die Stücken zu integrieren, was zweifelsohne möglich gewesen wäre und dann auch die Bezeichnung des Medieval Black Metals gerechtfertigt hätte.

Zu viel erwartet werden sollte also nicht, wenn „MORGENRØDENS HELVESHERRE“ auf den Platten-teller wandert. Klar, es ist handwerklich gut gemachter Schwarzstahl, der sich schöne Melodien bedient und ein paar atmosphärisch dichte Passagen bereit hält, insgesamt aber bleiben HELTEKVAD deutlich hinter ihren Möglichkeiten, die mittelalterlich Romantik effektiv zu nutzen. Reinhören dürfen und sollten dennoch all jene, die auf neues Material von UNGFELL oder eben AFSKY warten.

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