Inculter – Morbid Origin

22. Oktober 2023
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Nicht nur, wer auf der Suche nach klirrend kaltem Black Metal ist, wird in der norwegischen Szene sehr rasch fündig, lohnt sich ein Blick in den hohen Norden auch für Liebhaber ungezügelten Thrash Metals. Neben solch einer alteingesessenen Kapelle wie AURA NOIR, wissen auch zahlreiche jüngere Formationen, wie ordentlich der grobe Knüppel geschwungen wird, zu denen neben den leider bereits aufgelösten CONDOR oder NEKROMANTHEON ebenfalls INCULTER zählen, die in diesem Winter und zehn Jahre nach ihrer ersten EP mit „MORBID ORIGIN“ einen neuen Langspieler vorlegen.

In vielen Belangen sind sich INCULTER seit ihren Anfangstagen treu geblieben, erscheint die bereits dritte Platte wie gewohnt bei Edged Circle Productions, bei denen sie schon seit „STYGIAN DELUGE“ unter Vertrag stehen. Zudem lärmen die vor einiger Zeit zum einem mit zwei Sechssaitern ausgestatteten Quartett angewachsenen Skandinavier im Grunde auch noch wie damals. Natürlich werden heutzutage die zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um soundtechnisch etwas mehr aus den kernigen Songs rauszuholen, sodass diese nicht mehr ganz so roh und ungeschliffen klingen, wie noch in den ersten Jahren, wobei Remi Andrè Nygård nach wie vor selbst bei jeder Produktion mitwirkt. Abgesehen davon jedoch, wird räudiger Thrash Metal geboten, der zumeist schnell und ruppig dahin prescht, allerdings auch erstaunlich moderate Momente aufweist.

Während sich schon in der kurzen Einleitung die eher verspielte Seite von INCULTER deutlich bemerkbar macht, erweisen sich auch „Age Of Reprisal“ oder „Extinction“ als enorm melodisch arrangiert, werden wiederkehrend stimmungsvolle Leads in die wütenden Riffsalven eingeflochten, sodass die mitunter doch längeren Tracks sehr viel mehr als eine reine Orgie der puren Zerstörung bereit halten. Doch selbst wenn sich „MORBID ORIGIN“ nicht gerade mit sägenden Gitarren im teutonischen Thrash Metal suhlt, wie dies in „Death Reigns“ und „Children Of Demise“ über weite Strecken der Fall ist, halten die neun Songs erstaunlich viele Facetten bereit, die dafür Sorge tragen, dass das immerhin fast 50-minütige Album stets abwechslungsreich bleibt, ohne sich mit sturem Geprügel in stumpfe Belanglosigkeit zu manövrieren. In dieser Hinsicht haben sich INCULTER im Laufe der Zeit sicherlich weiterentwickelt und dabei vielleicht ein klein wenig von ihrer ursprünglichen Aggression eingebüßt, ohne dass dies zwingend als negativ zu werten wäre. Es wird zwar sicherlich Leute geben, denen die pure Raserei der ersten Werke fehlt, doch muss klar gesagt werden, dass mit einer solchen stets nur schwer ein ganzes Album zu füllen ist, besonders bei dieser Länge. Insofern bieten INCULTER schon wirklich viel Variation, um „MORBID ORIGIN“ bis zum schmissigen „Lethal Salvation“ mit all seiner rhythmischen Finesse kurzweilig zu halten und ausreichend Dampf auf dem Kessel gibt es besonders in der ersten Hälfte des Rundlings trotzdem noch. Erst gegen Ende wird die hohe Geschwindigkeit plötzlich gedrosselt, wobei es ausgerechnet der 9-minütigen Titeltrack ist, der mit seinem stampfenden Midtempo nicht recht auf den Punkt kommen will und daher qualitativ hinter den übrigen Nummern abfällt. Das darauffolgenden „Perennial Slaves“ schaltetet zwar noch einen Gang mehr zurück, bietet allerdings eine eingängigere Instrumentalarbeit, kann aber trotzdem nur bedingt aus dem Stimmungstief herausführen. Es funktioniert eben nicht jeder Versuch, neue Motive einzubringen.

Angesichts der Tatsache, dass INCULTER bereits früher viel Wert auf ein durchdachtes und strukturiertes Songwriting gelegt haben und selbst als blutjunge Recken nicht einfach wild drauf losgepoltert haben, ist der gereifte Sound von „MORBID ORIGIN“ nur allzu konsequent. Da ist es durchaus verzeihbar, dass es auch mal einen kleinen Durchhänger gibt, darf die Platte in ihrer Gesamtheit dennoch als gut gemacht und unterhaltsam bezeichnet werden.

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